Helden wandern

„Heldenreise“ nannte Paul Rebillot den Entwicklungsweg, den Helden und Heldinnen von Geschichten durchlaufen. Am Anfang steht ein Problem, das sie lösen wollen oder müssen: Krankheit oder Gefahr droht, eine unstillbare Sehnsucht quält sie oder sie sind ganz einfach aus dem gemütlichen Nest geworfen worden. Auf ihrem Weg müssen sie Prüfungen bestehen, Hindernisse überwinden und gegen mächtige Widersacher antreten. Glücklicherweise bekommen all die Heldinnen und Helden irgendein besonderes Zaubermittel an die Hand, das sie genau für diese Aufgabe brauchen. Und dann sind da noch die ganzen Helfer: Tiere, die sprechen können. Ratschläge von weisen Alten. Freunde, die selbst in der schlimmsten Not nicht von der Seite der Helden weichen.
Unsere Vorfahren hatten Spaß daran, solche Geschichten zu erzählen. Märchen und Mythen sind die ältesten Zeugnisse davon. Und es gibt sie in jeder Kultur. Der Schamanismus geht davon aus, dass es eine parallel existierende Wirklichkeit gibt, die mit dem, was wir Realität nennen, in enger Wechselwirkung steht. Die Psychologie macht sich Imaginationen zunutze: Forscher haben herausgefunden, dass die Vorstellunsgkraft einen bedeutenden Einfluss auf unsere Gesundheit hat. In den fantastischen Bildern von Träumen und Märchen spiegelt sich unsere Lebenssituation wider.
Demnach können wir mithilfe von Geschichten, die wir in Gedanken intensiv miterleben, tatsächlich Dinge in unserem Leben beeinflussen – oder zumindest unsere Einstellung dazu. Das ist der Wert unserer persönlichen Heldenreise.

Die Geschichten, die wir lieben (und auch diejenigen, die wir verabscheuen), sagen viel aus über die Situation, in der wir uns befinden. Sie geben uns Hinweise auf die Herausforderungen, die wir im Leben zu lösen versuchen. Außerdem können wir über diese Geschichten zu besonderen Potenzialen in uns vordringen. Wir erkennen, dass das Hindernis uns vielleicht gerade deshalb blockiert hat: um unsere verborgenen Fähigkeiten zu wecken, zu schleifen und zu stählen, bis aus dem groben Edelstein ein Brillant geworden ist.

Das Heldenwandern ist eine dreitägige Wandertour in den Alpen zum Erkunden der ureigenen fantastischen Geschichte. Schritt für Schritt tasten wir uns heran an unsere Heldenfigur. Wir pirschen uns vor bis zum Hindernis, dessen Widerstand unser Potenzial entzündet. Die Techniken, die unsere Vorstellungskraft beflügeln, stammen aus den verschiedensten Disziplinen: Traumreisen, Naturwahrnehmung, die Plots unserer Lieblingsgeschichten, Zusammenarbeit im Team … und natürlich die Kunst des Fragenstellens im Coyote-Teaching. Am Ende können wir dem Hindernis, das unseren Weg blockiert, gegenübertreten. Und erkennen, dass es sich bewältigen lässt; ja dass es sogar eine wichtige Aufgabe erfüllt. Auch in dem Raum, den wir als Realität bezeichnen.